Keine binären Optionen mehr für Privatanleger?

ESMA greift durch

Bereits seit zehn Jahren besteht die Möglichkeit auf die Kursentwicklung diverser Basiswerte mittels binärer Optionen (BOs) gelegentlich auch Digitaloptionen genannt zu spekulieren. Im Juni 2018 ließ die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA verlautbaren, es würde neue Regelungen für diese Form des spekulativen Derivatehandels geben. Am 2. Juli dann der Erlass: Der Handel mit binären Optionen ist für Privatanleger innerhalb der Europäischen Union verboten vorerst für drei Monate. Denn ESMA darf gemäß den MiFIR-Richtlinien lediglich vorübergehende, auf drei Monate begrenzte Interventionsmaßnahmen treffen. Danach erfolgt eine erneute Überprüfung.

Personen, die als “professionelle Trader” eingestuft werden, dürfen weiterhin mit binären Optionen handeln.

Zum besseren Schutz des Kleinanlegers

Vereinfacht gesagt, sind binäre Optionen nichts anderes als eine Wette: Der Trader setzt darauf, ob ein Kurs innerhalb eines festgelegten Zeitraums steigt oder sinkt. Liegt er mit seiner Annahme richtig, gewinnt er. Liegt er hingegen falsch, verliert er seine Finanzwette.

Angelockt durch die Einfachheit dieses Konzepts und die Versprechungen unseriöser Anbieter auf schnelles Geld, fuhren viele Anleger, den Untersuchungen der nationalen Aufsichtsbehörden zufolge, nicht bloß negative Renditen, sondern häufig auch hohe Verluste ein. Dies ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass je nach Anbieter einer Gewinnprämie zwischen 70 und 90 % ein Verlust über 100 % des Einsatzes gegenübersteht. Um also überhaupt eine positive Bilanz erzielen zu können, muss der Trader wesentlich häufiger gewinnen als verlieren – und dies bei einer statistischen Gewinnwahrscheinlichkeit von 50:50!

Beispiel: Ein Trader setzt 100 Euro darauf, dass der Kurs steigt. Liegt er mit seiner Annahme richtig, darf er sich zusätzlich zu seinem Kapital über 80 Euro Prämie freuen. Verliert er jedoch seinen Trade, erhält der Broker die vollen 100 Euro. Der Broker verdient demnach unabhängig vom Ausgang der Finanzwette, da er ebenso dann 20 Euro kassiert, wenn der Trader gewonnen hat.

Betrug durch Anbieter möglich

Dass dieses lukrative Geschäft unzählige Anbieter, die sich ausschließlich auf den Binäroptionshandel spezialisierten, wie Pilze aus dem Boden sprießen ließ, bedarf keiner weiteren Erklärung. Konfliktträchtig war aber auch die Tatsache, dass diese Broker zumeist auch die Betreiber der Handelsplätze waren. Sie stellten also selbst die Kurse der Basiswerte, wobei sie sich lediglich an den Kursen der Referenzbörsen orientierten. Im Zuge dessen nahmen sie zugleich die Gegenposition zum Trader ein – eine für den Trader potentiell nachteilige Konstellation, da es in der Macht des Brokers stand, den Kurs zum eigenen Gunsten anzupassen.

Wer also halbwegs ernsthaft an der Börse handelt, wird binären Optionen keine Träne nachweinen. EU-Bürger, die trotz alldem weiterhin dieses Instrument nutzen möchten, müssen auf Offshore-Anbieter (z.B. in der Karibik) ausweichen, wo allerdings noch dubiosere Bedingungen vorherrschen als bei den bisherigen Anbietern in der EU.

Die Alternative: CFD-Handel

Risikofreudige Anleger, die ausreichend Erfahrung mit spekulativen Finanzinstrumenten mitbringen und sich über das hohe Risiko im Klaren sind, haben die Möglichkeit auf CFDs bzw. Differenzkontrakte auszuweichen. Da CFDs in der Regel keine Laufzeitbegrenzung besitzen, wird der Trader nicht unter solchen zeitlichen Druck gesetzt, wie es beim Handel mit binären Optionen der Fall war. Nichtsdestotrotz sind auch hier Totalverluste möglich.

Aufgrund der Hochspekulativität dieser Geldanlage, wurde ab 1. August ebenso der CFD-Handel für “unbedarfte” Privatanleger eingeschränkt. Seitdem gelten folgende Regelungen:

  • Das Handelskonto muss bei einem Verlust von 50 % geschlossen werden.
  • Handelskonten dürfen keine negativen Saldi aufweisen.
  • CFD-Hebel sind auf maximal 30:1 beschränkt, wobei die Hebelhöhe von der Schwankungsanfälligkeit des Basiswertes abhängig ist: Somit ist bei Hauptwährungspaaren ein Hebel von maximal 30:1 erlaubt, bei exotischen Währungen sowie Gold und Indizes 20:1, bei Rohstoffen und kleineren Indizes 10:1, bei Aktien-CFDs 5:1 und bei Kryptowährungen 2:1.
  • Die Anbieter sind verpflichtet ihre Kunden über das Risiko aufzuklären sowie ihnen laufend Informationen über Verluste zukommen zu lassen.
  • Neukundengewinnung wird nicht mehr prämiert.

Während ESMA die neuen Vorschriften als einen großen Schritt hin zu mehr Kundenschutz feiert, wird das Thema unter Tradern heiß diskutiert – immerhin entzieht man damit vielen Anlegern, die sich der Risiken bewusst sind, die Freiheit das zu tun, was sie wollen!

Anleger, die größeren Wert auf Sicherheit legen, sollten von Derivaten Abstand halten und stattdessen auf Anlagemöglichkeiten wie Fonds oder ETFs zurückgreifen. Diese versprechen zwar eine weniger beeindruckende Rendite, bieten dafür aber ein signifikant niedrigeres Verlustrisiko.